Der Reitstock ist das Gegenstück des Spindelstocks und auf der rechten Seite der Drechselbank angeordnet. Seine Hauptfunktionen sind das gemeinsame Halten von langen Werkstücken zusammen mit dem Spindelstock oder das Bohren auf der Drehachse. Um diese Funktionen übernehmen zu können ist der Reitstock gleitend auf dem Bankett gelagert und kann somit zum Spindelstock hin oder weg geschoben werden. Die Arbeitsachse des Reitstockes ist linear zur Arbeitsachse des Spindelstocks ausgerichtet.

Hauptkomponenten des Reitstocks

Der Reitstock wird je nach Fertigungsqualität und Maschinenausführung leicht unterschiedlich gebaut. Die wichtigsten Komponenten sind jedoch bei allen Modellen vorhanden.

Reitstock eines Drechselbanks mit Beschriftung der Hauptkomponenten
  1. Reitstock Stahlkörper
  2. Reitstockspindel (Pinole)
  3. Hebel zum Blockieren der Pinole
  4. Handrad mit Kurbel
  5. Klemmhebel

1. Der Reitstock (Stahlkörper)

Der eigentliche Reitstock wird üblicherweise aus Stahl gegossen und anschliessend mit den notwendigen Bohrungen versehen und auf Mass gefräst. Insbesondere die Unterseite wird (inklusive der Führung im Bankett) präzise gefräst, damit der Reitstock auf dem Bankett ohne grossen Widerstand rutschen kann, aber trotzdem möglichst kein Spiel aufweist.

Die Ausführungsqualität des Stahlkörpers ist ein entscheidendes Qualitätsmerkmal einer Drechselbank. So ist bei grossem Spiel zwischen Bankett und Reitstock oder Pinole die Erstellung von präzisen Bohrungen im Werkstück nicht möglich, da der Bohrer von Anfang an nicht präzise auf der Drehachse der Drechselbank angesetzt werden kann. Als weiterer wichtiger Qualitätsfaktor ist die statische Auslegung des Stahlkörpers zu nennen. Insbesondere beim Einspannen von schweren, unwuchtigen Werkstücken oder beim Bohren von grossen Löchern muss der Stahlkörper die entstehenden Kräfte, ohne sich zu verformen, auf das Bankett ableiten können.

2. Die Reitstockspindel (Pinole)

Die Pinole ist ein aus Stahl gedrehter Hohlzylinder. Auf Seite des Handrades ist auf der Innenseite des Hohlzylinders ein Gewinde. Dieses arbeitet mit dem, an dem Handrad befestigten, Aussengewinde zusammen und ermöglicht das Ein- und Ausfahren der Pinole durch drehen am Handrad. Auf Seite des Spindelstocks ist die Öffnung üblicherweise in Form eines MK2 Mörsekegel ausgelegt. MK2 ist eine normierte Konusform, welche es ermöglicht genormte Werkzeuge, wie Bohrer, mitlaufende Spitzen oder Bohrfutter, vorne in die der Pinole einzusetzen. Auf ihrer Aussenseite ist die Pinole präzise auf die Öffnung des Reitstockes abgestimmt und verfügt über eine Nut, welche sicherstellt, dass sich die Pinole nicht drehen kann.

Da üblicherweise erst grössere Bohrer (ab ca. 14mm) mit einem Mk2 Mörsekegel im Handel verfügbar sind, gibt es auf dem Markt als Sonderform der Reitstockspindel spezielle Bohrpinolen. Diese sind auf Seite des Spindelstocks statt mit einem MK2 Mörsekegel mit einem Spannzangenfutter ausgestattet. Damit können je nach Spannzangenfuttergrösse auch kleinere Bohrer direkt mit der Bohrpinole gehalten werden. Alternativ dazu kann auch ein normales Bohrfutter mit MK2 Anschluss vorne in die Pinole eingefügt werden. Für die meisten üblichen Anwendungen ist dies präzise genug.

3. Hebel zum Blockieren der Pinole

Der Hebel zum Blockieren der Pinole ist mit einem Gewindestift verbunden. Durch Drehen am Hebel kann der Gewindestift in die Nut der Pinole hineingedreht werden. Der Gewindestift drückt auf die Pinole und verhindert, dass sich die Pinole durch Vibration lösen kann. Dies ist insbesondere bei Arbeiten wichtig, welche ein Einspannen des Werkstückes  zwischen Spindel- und Reitstock benötigen, aber nur wenig Druck zwischen Spindel- und Reitstock zulassen. Bei den meisten Arbeiten, welche ein Einspannen des Werkstückes zwischen Spindel- und Reitstock benötigen, ist der Druck so gross, dass sich die Pinole gar nicht von selbst lösen kann.

4. Handrad mit Kurbel

Das Handrad ist fest mit einem Hohlzylinder verbunden, welcher ein Aussengewinde aufweist und im Hohlzylinder der Reitstockspindel liegt. Dieses Aussengewinde arbeitet mit dem Innengewinde der Reitstockspindel zusammen. Durch Drehen des Handrades dreht sich somit das Aussengewinde und die Reitstockpinole wird aus dem Reitstock aus-, respektive eingefahren. Wie schon bei der Reitstockspindel ist der Zylindrische Körper hohl. Im Zentrum des Handrades befindet sich deshalb ein Loch. Durch dieses Loch kann eine Stange eingeführt werden um allfällig vorne in der Reitstockspindel festklemmende Werkzeuge herauszudrücken.

5. Klemmhebel

Der Reitstock ist auf dem Bankett gleitend gelagert, um ihn entsprechend dem Bedürfnis der anstehenden Arbeit im richtigen Abstand zum Spindelstock platzieren zu können. Mit dem Klemmhebel kann der Reitstock in der gewählten Position auf dem Bankett festgeklemmt werden. Dies stellt sicher, dass die bei den Arbeiten entstehenden Kräfte vom Reitstock auf das Bankett abgeleitet werden und der Reitstock nicht verrutscht.

Funktionen des Reitstocks

Halten des Werkstücks

Beim Drechseln zwischen den Spitzen wird das Werkstück zwischen den Spitzen des Spindelstocks und des Reitstocks gehalten. 

Montage der mitlaufenden Spitze am Reitstock

Um einen Gegenstand halten zu können, muss am Reitstock eine mitlaufende Spitze montiert werden. Die mitlaufende Spitze verfügt über ein Mörsekonus MK2 und kann in die MK2 Aufnahme des Reitstockes eingeschoben werden. Die Spitze ist kugelgelagert und dreht mit dem drehenden Werkstück mit.

Einspannen eines Werkstückes mit dem Reitstock

Nach der Montage der mitlaufenden Spitze wird der Reitstock zum Werkstück hingeschoben, um den für das Werkstück notwendige Arbeitsabstand zu erreichen. Anschliessend wird der Reitstock mit dem Klemmhebel blockiert, damit er nicht mehr auf dem Bankett verrutschen kann.

Eingespanntes Werkstück

Durch drehen am Handrad wirde die Pinole aus dem Reitstock ausgefahren. Die mitlaufende Spitze drückt nun das Werkstück an den Vielzackmitnehmer des Spindelstocks. Die Spitzen des Vielzackmitnehmers und der mitlaufenden Spitze sind ins Holz hineingedrückt. Das Werkstück ist somit fixiert und kann zwischen den Spitzen gedrechselt werden.

Bohren längs der Drehachse

Bohren längs der Drehachse

Zum Bohren längs der Drehachse muss das Werkstück vom Spindelstock alleine gehalten werden. Dazu wird das Werkstück üblicherweise mit einem Spannfutter gehalten. Um den Bohrer zu halten, wird ein Bohrfutter mit MK2 Konus in den Reitstock eingespannt. Im Bohrfutter kann ein Bohrer nach Wahl wie bei einer Bohrmaschine eingespannt werden. Anschliessend wird der Reitstock wieder in die richtige Arbeitsposition geschoben und mit dem Klemmhebel auf dem Bankett blockiert. 

Bohren längs der Drehachse mit dem Reitstock

Während das Werkstück nun durch den Spindelstock gedreht wird, kann der Bohrer durch Drehen am Handrad mit der Pinole in das Werkstück hineingedrückt werden. 

Um die richtige Einbohrtiefe sicherzustellen, ist üblicherweise auf der Pinole eine Messskala platziert.