Die Spindellager sind ein wichtiges Qualitätsmerkmal einer Drechselbank. Auf den Webseiten der Drechselbankhersteller wird darauf jedoch kaum eingegangen. Oder besser gesagt, die Lagerung wird nur bei den Maschinen erwähnt, wo besondere Qualität geboten wird.

Grundsätzlich können bezüglich der Lagerung die Drechselbänke in zwei Kategorien aufgeteilt werden:

  • Schläge längs zur Spindel zulässig
  • Schläge längs zur Spindel nicht zulässig

Der Grossteil der Drechselbänke aus dem Hobbybereich gehören zur Kategorie „Schläge längs zur Spindel nicht zulässig“.

Schläge längs zur Spindel

Wieso sind Schläge längs zur Spindel überhaupt notwendig?

Für einen Hobbydrechsler ist Arbeitsgeschwindigkeit meistens nicht von Belangen. Im professionellen Bereich, wo sich jede Minute in der Produktion auf den Preis schlägt, gewinnen Schläge längs zur Spindel an Bedeutung. Wer schon mal im Erzgebirge eine Werkstatt betreten hat, wird sicherlich schon mal ein Einschlagfutter / Heureka-Futter gesehen haben. Einschlagfutter sind Futter wo das Werkstück nicht eingespannt wird, sondern in eine feste Futterform hineingeschlagen wird.

Das Futter bleibt üblicherweise auf dem Spindelstock festgeschraubt. Der Drechsler nimmt ein Stück Holz, befeuchtet dieses, damit es im Futter aufquillt und schlägt das Holzstück mit einem Hammer in das Futter. Nach dem Drechseln, schlägt der Drechsler das restliche Holz mit einem Querschlag wieder vom Drechselfutter weg.

Dies stellt eine der schnellsten Techniken zum Einspannen des Werkstückes dar, weshalb sie im professionellen Bereich sehr beliebt ist.

Beanspruchung der Lager

Normale Kugellager sind nicht ausgelegt um Schläge auf der Längsachse aufzunehmen. Die Kraftrichtung des Schlages ist 90 Grad versetzt zu der Auslegungsrichtung der Kugellager. Die Lager würden deshalb innerhalb von kurzer Zeit Schaden nehmen.

Um dem gerecht zu werden, wurden von den Herstellern für professionelle Drechselbänke mehrere Lagerarten bei der Entwicklung der Drechselbänke verwendet.

Spindellager für Längsschläge

Das Gegenlager

Das Gegenlager ist eine Lagerart welche eher bei älteren Drechselbänken zu finden ist.  Es befindet sich auf dem Spindelstock auf der linken Seite am Ende der Spindel. Es besteht aus einem festen Stahlkörper am Ende der Spindel, welcher direkt mit dem Spindelstock verbunden ist und einem Lager zwischen der Spindel und dem Metallkörper. Die einwirkenden Schläge werden dabei direkt von dem Lager auf den Stahlkörper abgeleitet. Durch die Bauform wird der Lagerkörper selbst nicht mit den Kräften belastet, sondern nur die Lagerkugeln.

Das Schrägkugellager und das Kegelrollenlager

Das Schrägkugellager und das Kegelrollenlager sind beides spezielle Bauformen des Kugellagers. Beim Kegelrollenlager sind die Rollen Kegelförmig angeordnet. So wird Kraft des Schlages über den Formschlusses der Kegelform abgeleitet.

Ein typischer Vertreter dieser Bauart ist die Vicmarc VL 240

Das Schrägkugellager entspricht dem selben Prinzip. Es ist jedoch mit Kugeln statt Rollen aufgebaut. Diese Bauart wird beispielsweise von Steinert bei der VGM300 oder der gamma 250 verwendet.

Beide Bauarten entsprechen den Anforderungen für das Arbeiten mit einem Einschlagfutter.